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Klettersteigausrüstung – Teil 1

Willkommen zu meiner dreiteiligen Serie zum Thema Klettersteigausrüstung. Los geht´s mit Teil 1. Was braucht man bei der Klettersteigausrüstung alles an Basiskomponenten, um einen Klettersteig sicher zu begehen? Wie funktionieren diese?

Das Klettersteigset – wichtigste Komponente der Klettersteigausrüstung

Elementare Komponente deiner Klettersteigausrüstung bildet das Klettersteigset. Das Klettersteigset besteht im Wesentlichen aus zwei speziell geformten Klettersteigkarabinern an je einem Y-Ast. Auf Grund dieser typischen Bauform wird ein modernes Klettersteigset auch Y-Set genannt.

Im Gegensatz dazu solltest du ältere sogenannte V-Sets wegen der fehlenden Redundanz nicht mehr verwenden. Bei diesen Sets darf immer nur ein Karabiner ins Seil eingehängt werden, der andere Karabiner bildet dann das Bremssystem. Aber wie gesagt, vergiss diesen Gedanken ganz schnell und verwende für deine Klettersteigausrüstung nur noch aktuelle Y-Systeme. Bei Versagen eines Karabiners kann hier durch die Redundanz der zweite Karabiner die Last übernehmen und so die Sicherungsfunktion aufrechterhalten. In diesem Zusammenhang möchte ich auch gleich eine Warnung aussprechen:

Finger weg von selbstgebastelten Klettersteigsets! Versuche niemals ein Klettersteigset aus Reepschnüren, Bremsplatten, Karabinern etc. selbst zu basteln. Das ist lebensgefährlich! Entweder du stürzt gleich ab wenn das Seil reißt, oder deine Oberschenkel und deine Eingeweide erleiden durch die nicht genau abgestimmte Klettersteigbremse starke innere Verletzungen!
Verwende daher zur eigenen Sicherheit immer industriell gefertigte und normgeprüfte Klettersteigsets.

Karabineräste

Die Äste bestehen meist aus robusten Schlauchbandmaterial, oft in Verbindung mit elastischen Komponenten. Der Vorteil dieser elastischen Arme liegt auf der Hand. Man muss nicht mehr zeitraubend am Umhängepunkt nach den Karabinern „suchen“ weil diese weit unten hängen, sondern hat diese schneller griffbereit. Diese elastischen Komponenten befinden sich bei vielen Sets im Inneren des tragenden Schlauchbandes.

Es gibt aber auch Ausführungen, in denen die elastischen Komponenten in das tragende Material der Äste eingewebt sind. Bevor du ein solches Klettersteigset benutzt, solltest du unbedingt prüfen, ob dieses Set nicht von einem Rückruf betroffen ist. Nach einem tödlichen Unfall auf einem Klettersteig nahe Walchsee, Tirol gab es 2012 eine große Rückrufaktion von Klettersteigsets mit eingewebten elastischen Fasern.

Eine Untersuchung hat ergeben, dass häufiges Dehnen der Äste das tragende Bandmaterial schwächen kann. Aus diesem Grund wird empfohlen, von der Rückrufaktion betroffene Klettersteigsets aus Sicherheitsgründen nicht mehr zu benutzen.

Klettersteigkarabiner

Klettersteigausrüstung: KlettersteigkarabinerDie Klettersteigkarabiner sind dazu da, um beim Steigen das Klettersteigset der Klettersteigausrüstung in das Stahlseil oder auch Leitersprossen einzuhängen und sich so jederzeit selbst zu sichern. Spezielle Klettersteigkarabiner mit einer großen Schnapperöffnung erleichtern das Einhängen und beschleunigen das Öffnen und Schließen. Aus Sicherheitsgründen müssen diese eine Verschlusssicherung gegen unbeabsichtigtes Öffnen aufweisen. Außerdem müssen die Klettersteigkarabiner eine hohe Biegefestigkeit aufweisen, da diese Belastungen bei einem Sturz an der Drahtseilverankerung u.U.stark erhöht auftreten können, je nachdem in welcher Position der Klettersteigkarabiner auf die Verankerung aufschlägt.

Bandschlinge mit Rastkarabiner

bandschlingeObwohl diese zusätzliche Bandschlinge für die Funktion des Klettersteigsets nicht erforderlich ist, empfehle ich dringend, sich einen solchen Zusatz für die Klettersteigausrüstung anzuschaffen. So kann man in schwierigen Klettersteigen an luftigen Quergängen eine kurze Verbindung zum Stahlseil ermöglichen (wichtig für die Psyche, wenn man hoch über dem Abgrund hängt) oder sich beim Fotografieren an einem Fixpunkt sichern. Auch bei einem plötzlichen Schwindel- oder Schwächeanfall oder bei einem Stau am Klettersteig in anspruchsvollen Passagen ist diese extrem hilfreich und entlastet die Arme.

Während des Kletterns auf steilen Passagen darf jedoch die Rastschlaufe niemals eingehängt werden, weil man damit das Klettersteigset „kurzschließt“ und die lebenswichtige Klettersteigbremse außer Funktion setzt!

Im speziellen Ratgeberbeitrag Bandschlinge Klettersteig gehe ich genauer auf den richtigen Umgang mit der Rastschlinge ein.

Klettersteigbremse

Die zentrale Komponente eines Klettersteigsets ist der Fangstoßdämpfer, auch Klettersteigbremse genannt. Sie reduziert den Fangstoß bei einem Sturz auf ein für den menschlichen Körper erträgliches Maß. Weil das Thema so wichtig ist, behandele ich diese lebenserhaltende Komponente in einem eigenen Beitrag. Moderne Systeme weisen einen Bandfalldämpfer auf, Systeme mit einer Seilbremse sollte man nicht mehr verwenden, diese werden auch bald vollkommen aus dem Handel verschwunden sein.

Einbindeschlaufe

Die Einbindeschlaufe am Klettersteigset ist für das Einbinden des Klettersteigsets in die Anseilschlaufe des Gurts gedacht. Sie besteht aus einem sehr robusten textilen Material und ist dabei gerade so groß gewählt, dass das komplette Set samt Fangstoßdämpfereinheit und Karabinern durch die Schlaufe gezogen werden kann und so den Ankerstichknoten bildet.

Verbindung von Klettersteigset und Klettergurt

ankerstich-klettergurtWie wird nun das Klettersteigset (Karabiner und Klettersteigbremse) am Klettergurt befestigt? Mittels Ankerstich an der Einbindeschlaufe des Gurtes. Wie ein korrekt geknüpfter Ankerstich aussieht siehst du auf dem Bild. Einige werden diesen „Knoten“ vielleicht auch von alten Skikarten gewohnt sein, die man sich in früheren Tagen an einem Gummiband um den Hals gehängt hat. Das hellgrüne Teil auf dem Bild ist meine oben angesprochene, zusätzliche 60 cm-Bandschlinge, an deren Ende der Rastkarabiner angebracht ist. Auch hier verwendet man einen Ankerstich um die Bandschlinge an der Anseilschlaufe des Gurtes zu fixieren.

Kurzschlussanordnung

Wie auch schon bei Netzteilen im elektrischen Bereich ist die Sicherung gegen Kurzschlüsse eine wichtige Eigenschaft bei der Wahl der Klettersteigausrüstung und insbesondere des Klettersteigsets. Was versteht man unter einer Kurzschlussanordnung? Eine Kurzschlussanordnung entsteht durch Unerfahrenheit und Fehlbedienung des Benutzers. In diesem Fall wird nur ein Y-Ast in das Stahlseil eingeklinkt, der andere Ast wird in ein tragendes Teil des Klettergurts eingehängt.

Tragende Teile sind z.B. die Einbindeschlaufe oder der Hüftgurt. Bei einem Sturz in dieser Konstellation kann der Fangstoßdämpfer seine Funktion nicht erfüllen, weil seine notwendige Längenexpansion durch den zweiten Y-Ast blockiert (kurzgeschlossen) wird. Die Folge ist, dass der Benutzer zwar aufgefangen wird, dies geschieht aber nahezu ungebremst, was schwere Verletzungen zur Folge haben kann.

Aus diesem Grund solltest du nach Möglichkeit kurzschlusssichere Klettersteigsets vorziehen. Ich werde auf dieses Feature auf meinen Testseiten auch immer hinweisen. Natürlich kannst du auch immer penibel darauf achten, dass immer beide Karabiner ins Stahlseil eingehängt werden, was ich auch dringend empfehle. Dann spielt kurzschlussfest oder nicht kurzschlussfest keine Rolle, weil ein solcher Kurzschluss dann nie entsteht.

Der Klettergurt

Beim Gurt gibt es drei verschiedene Gurtsysteme mit jeweils Vorteilen () und Nachteilen ().

Hüftgurt

Optimale Bewegungsfreiheit

Einfache Anwendung

Hoher Tragekomfort

Gepolsterte Gurte erhältlich (Klettergurte)

günstig, da große Stückzahl durch Kletterbedarf

Bei schwerem Gepäck Risiko nach hinten zu kippen oder rauszurutschen

Kombigurt (Hüft und Brustgurt getrennt)

flexibel (auf leichten Steigen kann mal nur Hüftgurt angewendet werden)

maximale Sicherheit wenn beide Gurtteile verwendet werden

wenig Auswahl (Hüft und Brustgurt sollten vom selben Hersteller sein)

erhöhter Zeitbedarf und Aufmerksamkeit beim Verbinden der beiden Gurtteile

teurer

Komplettgurt

maximale Sicherheit gegen Herausrutschen

komplizierte Anwendung

Bewegungsfreiheit eingeschränkt

nicht so guter Tragekomfort

teuer

keine gepolsterten Gurte erhältlich

Du siehst es spricht vieles für einen Hüftgurt. Die meisten Klettersteiggeher sind auch nur mit einem solchen unterwegs. Auf dem Klettersteig zählt schnelle Anwendung, hoher Tragekomfort und Bewegungsfreiheit. Bei Kindern oder Personen  mit wenig ausgeprägten Hüften wird jedoch stark empfohlen aufgrund der Sicherheit gegen Herausrutschen lieber zu einem Komplettgurt zu greifen.

Bei einem Sturz wird der gesamte Körper stabilisiert, und man kann nicht mit dem Kopf nach unten hängen. Beim Kombigurt ist anzumerken, dass der Brustgurt immer zusammen mit dem Hüftgurt verwendet werden muss, beim Tragen eines Brustgurtes ohne zusätzlichen Hüftgurt besteht Lebensgefahr!

Der Helm

Ein normgeprüfter Helm gehört immer zur Standardausstattung der Klettersteigausrüstung und sollte sich spätestens  auf dem Kopf befinden sobald man seine Karabiner in das Stahlseil einklinkt. Er bietet haupsächlich Schutz vor Steinschlag und schützt auch den Kopf bei einem (hoffentlich nicht vorkommenden) Sturz.

Da man den Helm meistens längere Zeit auf dem Kopf trägt sollte man hier nicht sparen und auf Qualitätsprodukte zurückgreifen. Ein guter Helm muss

gut zu verstellen sein

eine optimale Passform (Größe) besitzen

leicht sein

gute Bewegungsfreiheit bieten

über ein gutes Belüftungssystem verfügen

Zusätzlich sollte das Herstelldatum und das Ablaufdatum in der Gebrauchsanweisung vermerkt sein. Die CE-Normprüfung ist sowieso für alle am Markt befindlichen Helme obligatorisch, manche Produkte erfüllen zusätzlich die strengere UIAA-Norm. Von Fahrradhelmen oder anderen Helmen sollte man absehen, diese sind für den Klettersteig als Teil der Klettersteigausrüstung nicht geeignet.

Kann man auch eine gebrauchte Klettersteigausrüstung kaufen?

Nein, auf keinen Fall. Das Klettersteigset, der Gurt und auch der Helm gehören zu deiner persönlichen Sicherheitsausrüstung, die du auch nicht unbeaufsichtigt verleihen solltest.

Grund ist folgender: Du weißt nicht, wie der Vorbesitzer mit der Klettersteigausrüstung umgegangen ist. Ist die Klettersteigausrüstung vielleicht mit aggresiven Flüssigkeiten in Verbindung gekommen, die die Nähte unbemerkt langsam auflösen, oder hat das Klettersteigset vielleicht schon einen mittelschweren Sturz hinter sich? All das ist unbekannt, und daher solltest du an deine eigene Vernunft appellieren und keine gebrauchte Klettersteigausrüstung kaufen.

Damit wären die drei wichtigsten Komponenten der Klettersteigausrüstung abgehandelt, in Teil 2 geht es um weitere wichtige Dinge wie Schuhe und Handschuhe.


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