Skip to main content

Klettersteigausrüstung – Teil 2

Nach dem langen aber sehr wichtigen ersten Teil geht es im zweiten Teil um die weiteren wichtigen Gegenstände der Klettersteigausrüstung wie Schuhe und Handschuhe.

Klettersteigschuhe – unverzichtbar bei der Klettersteigausrüstung

BilligschuheUnabdingbar für Klettersteigtouren sind auch ordentliche Klettersteigschuhe. Mach nicht den gleichen Fehler wie ich und zieh mit „Billigtretern“ los. Es gibt genügend „günstige Bergstiefel“ auf dem Markt, die diesen Namen jedoch eigentlich gar nicht verdienen. Die Sohle dieser meist superleichten Treter ist in vielen Fällen viel zu weich und biegt sich bei kleinster Belastung schon durch. Spätestens in C-Passagen ohne Tritthilfen wirst du diese verfluchen, da du einfach keinen Druck auf den Felsen bringen kannst und unweigerlich abrutscht. Panikattacken gehören hier leider wieder zur Tagesordnung. Ich hatte mehrere Klettersteigbegehungen sogar aus diesen Gründen abbrechen müssen (Tajakante, Weiße Gams). Klettersteigschuhe gehören daher unbedingt zur Klettersteigausrüstung dazu und sollten

bedingt steigeisenfest sein (hier kannst du Grödeln montieren, z.B. Zugspitze Klettersteig)

eine feste Sohle aufweisen (Sohle darf sich bei Handkraft nur ganz leicht durchbiegen)

knöchelhoch sein (Sicherung gegen Umknicken)

ein gutes Profil haben (wichtig für den Abstieg)

eine „Climbing Zone“ vorne an der Schuhspitze besitzen (wichtig für Reibungsklettern)

Manche Leute empfehlen, bei extremen Sportklettersteigen auch spezielle Kletterschuhe anzuziehen. Ich persönlich halte nichts davon, weil man dadurch auch zwei Paar Schuhe auf den Berg schleppen muss. Der Grund ist, dass man mit Kletterschuhen einen längeren Zustieg und auch Abstieg schlecht bewältigen kann, ohne dass die Füße oder die Kletterschuhe größeren Schaden nehmen.

Abgesehen davon, werde ich auf diesen Seiten sowieso keine extremen Sportklettersteige vorstellen, bei denen Kletterschuhe gegenüber festen Klettersteig-Bergschuhen von Vorteil sein könnten. Vergiss daher, sich spezielle teure Kletterschuhe für die Klettersteigausrüstung anzuschaffen. Du wirst sie auf dem Klettersteig nicht brauchen. Hast du allerdings schon welche, weil du schon normal kletterst oder boulderst, kannst du sie natürlich gerne benutzen.

Gehen nicht auch feste Turnschuhe?

Auch hier leider ein ganz klares Nein. Obwohl man häufig Leute mit ganz normalen Turnschuhen auf Klettersteigen sieht, sollte man von der Verwendung solcher absehen. Diese Schuhe sind meist viel zu weich und bieten keinerlei Schutz gegen Umknicken. Durch die weiche Sohle wird aber auch das Reibungsklettern durch die oben genannten Gründe unnötig erschwert oder gar unmöglich. Ebenfalls bieten diese Schuhe auch keinen Schutz vor losem Geröll oder spitzen Steinen. Ein Profil ist auch meist wenig bis gar nicht vorhanden. Turnschuhe haben deshalb in einer ordentlichen Klettersteigausrüstung nichts verloren.

Der perfekte Schuh für den Klettersteig

Klettersteigausrüstung: Drachenwand Klettersteig Schuhe

Drachenwand Klettersteig, Mondsee mit ordentlichen Klettersteigschuhen

Das wichtigste bei einem ordentlichen Klettersteigschuh ist eine gute Passform. Der Schuh muss perfekt passen, man darf auf keinen Fall im Schuh herumrutschen. Die meisten Läden bieten auch eine kleine Terrainfläche mit einer Rampe mit eingeklebten Steinen zum Rumprobieren. Hierbei ist auf der Abstiegsrampe insbesondere drauf zu achten, dass man oben am Spann zuerst anstößt, bevor man mit den Fußspitzen anstößt. Dies ist enorm wichtig bei langen Bergabstiegen, um schmerzhafte blaue Zehen zu verhindern.

Wer keine Möglichkeit hat die Schuhe in einem Fachgeschäft zumindestens auszuprobieren, der kann die Schuhe natürlich auch online kaufen. Wenn man sie online kauft, sollte man möglichst einen Laden wählen, wo man sie auch problemlos umtauschen kann z.B. Amazon. Falls du deine Schuhe trotzdem online kaufen möchtest, bieten wir dir hier natürlich ebenfalls die Möglichkeit dazu. Einige Euros können online immer gespart werden.

Andere Produkte der Klettersteigausrüstung wie z.B. Klettersteigset, Klettergurt, Handschuhe, Rucksack, Socken etc. kann man dagegen problemlos bequem im Internet kaufen, da diese auf universell auf den Menschen passt. Planst du auch Gletscher zu queren (Zugspitz Klettersteig) oder sind (Alt-)Schneefelder zu queren (in höheren Regionen können diese auch im Hochsommer vorkommen), solltest du auf ein bedingt steigeisenfestes Modell achten, wo du auch Grödeln montieren kannst. Grödeln sind die etwas leichtere Variante zu echten Steigeisen und haben meist sechs Zacken, so daß man relativ refahrlos einen Gletscher mit moderater Steigung begehen kann.

Klettersteigausrüstung: Zugspitze Klettersteig Steigeisen Warnschild

Dieses Schild ist ernst zu nehmen aber Grödeln gehen auch 🙂

Grödeln 6-Zack

Diese Grödeln besitze ich selber und bin sehr zufrieden

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Achtung! Einen Gletscher ohne zumindestens Grödeln zu begehen ist wegen der Absturzgefahr und Gletscherspalten lebensgefährlich!

Handschuhe gehören ebenfalls in die Klettersteigausrüstung

Ich empfehle dir unbedingt Handschuhe auf einem Klettersteig zu tragen. Handschuhe sollen

Verletzungen durch aufgespleißte Drahtlitzen vermeiden

den Grip am Stahlseil erhöhen (das Sicherheitsgefühl wird in großem Maße erhöht)

an kälteren Tagen vor Kälte schützen

die Blasengefahr verringern

Wichtig bei den Handschuhen ist, dass sie eng anliegen. Das Öffnen und Schließen der Karabiner sollte uneingeschränkt ohne Fummelei möglich sein. Außerdem müssen diese aus einem Material bestehen, das eine gute Luftzirkulation ermöglicht. Sonst schwitzt man sich einen ab.

Was ist mit Fahrradhandschuhen? Sind diese auch geeignet?

Nein auf keinen Fall. Fahrradhandschuhe sollte man nicht verwenden, da diese meist an den Handinnenflächen gepolstert sind und man durch diese Polsterung eher auf dem Stahlseil abrutscht als einen festen Griff zu haben. Am Anfang dachte ich auch, Geld zu sparen und habe fingerlose Fahrradhandschuhe aus widerstandsfähigem Kevlar verwendet. Gerade in steilen Passagen haben mich diese dann schon einiges an Nerven gekostet.

Wenn man eh schon zu kämpfen hat, sich am Stahlseil festkrallen versucht und man dann auch noch am Stahlseil abrutscht, führt das unweigerlich zu kleinen Panikattacken, die einem schnell den Spaß an der Sache nehmen und man die sonst schöne Klettersteigausrüstung in die Ecke wirft. Bei mir hat es sogar schon soweit geführt, dass ich die Fahrradhandschuhe wutentbrannt von den Händen gerissen habe, in den Rucksack verstaut und mit bloßen Händen weitergeklettert bin. Leider ging das nur so lang gut, bis sich an steilen C-Aufschwüngen mal wieder der Angstschweiß an den Händen gebildet hat und man mit klammen Fingern genauso abrutscht. Du siehst schon, geeignete rutschfeste (Klettersteig-)Handschuhe sind Pflicht.

Mein Geheimtipp

Ich empfehle für Klettersteige ab Schwierigkeitsgrad C sehr diese Connex-Handschuhe. Diese Arbeitshandschuhe mit gummierter Handinnenfläche und Fingern kannst du genauso gut in einem OBI oder Hagebaumarkt in deiner Nähe erwerben. Es bietet sich an, einige auf Vorrat zu kaufen, für den Fall dass es sie irgendwann mal nicht mehr gibt und die alten durch aufgespleißte Stahlseile beschädigt werden.

Zu viele sollte man aber auch nicht kaufen, da das Gummi natürlich einer Alterung unterliegt und hart und spröde werden kann. Ich benutze selbst nur noch diese und bin nach wie vor begeistert. Sie haben „Grip ohne Ende“ am Stahlseil, ein Kumpel von mir hat sie schon die „Spiderman“-Handschuhe genannt. Das Sicherheitsgefühl wird extrem erhöht. D-Stellen werden mit diesen Handschuhen zu B/C Stellen. Zudem sind sie äußerst robust, bei mir haben sie schon mehr als 20 Klettersteige gehalten, allerdings habe ich noch ein Paar Reserve auf Lager. Hier gibt es den ausführlichen Test mit Bewertung.

In Teil 3 geht es um die Notfallausrüstung und weitere nützliche Accessoires.


Gefällt dir der Beitrag? Ich freue mich, wenn du ihn weitersagst:

Ähnliche Beiträge