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Klettersteigausrüstung – Teil 3

In diesem letzten Teil meiner dreiteiligen Serie zur Klettersteigausrüstung werden die obligatorische Notfallausrüstung und weitere nützliche Accessoires besprochen.

Notfallausrüstung zählt zur Klettersteigausrüstung dazu

Für unvorhergesehene Zwischenfälle beim Begehen eines Klettersteigs gehört zur Standard Notfallausrüstung ein

Erste Hilfe Set

Mobiltelefon (Handy)

Das Handy sollte die wichtigen Notrufnummern 112 (Euronotruf) und 140 (Alpinnotruf Österreich) eingespeichert haben. Bei längeren Klettersteigen im Hochgebirge sollte man auf jeden Fall auch eine Stirnlampe* mit frischen Batterien und warme Bekleidung (Jacke, Handschuhe, Mütze) mitnehmen. Auch  wäre hier zusätzlich ein GPS angebracht, falls man beim (ungesicherten) Abstieg in schlechtes Wetter gerät oder sich verirrt.

Achtung: Bei allen Ausrüstungsgegenständen bitte immer bedenken, dass man diese den ganzen Klettersteig tragen muss und anstrengende Steilstufen hochschleppen muss. Du solltest dich daher auf das Nötigste beschränken.

Ein geeigneter Rucksack für die Klettersteigausrüstung

Klettersteigausrüstung: Kleiner Rucksack

Kleine Rucksäcke

Beim Rucksack gilt die Devise, weniger ist mehr. Nichts ist auf einem Klettersteig schlimmer als ein großer klobiger Rucksack, der dich immer wieder in deinen Bewegungen einschränkt und dich beim Steigen behindert. Daher habe ich mir für kurze Klettersteige, wo man kaum Proviant benötigt, extra einen leichten, schmalen Rucksack* angeschafft.

So hat man maximale Bewegungsfreiheit und kann spezielle Steigtechniken nutzen, ohne dass einen der Rucksack stört. So ein Rucksack ist auch nicht sehr teuer und die Anschaffung lohnt sich wirklich. So einen ultraleichten schmalen Rucksack gibt es auch als Trinkrucksack*.

Du solltest beim Rucksack für talnahe (mein Favorit!) oder kurze Klettersteige auf folgende Dinge achten:

geringes Gewicht

schlanke Form

viele Taschen zum Verstauen von Autoschlüssel, Handy etc.

schmaler Hüftgurt (soll nicht beim Anziehen der Beine behindern)

Sperrgurt an der Brust (damit die Träger nicht ständig verrutschen)

Insbesondere die schlanke Form und die beiden Gurte sind wichtig, damit der Rucksack bei steilen Passagen und Überhängen nicht verrutscht und dich beim Steigen und/oder Umsetzen der Karabiner behindert. Wasserfest muss er nicht sein, denn bei Regen ist ein Klettersteig sowieso tabu. Die meisten Rucksäcke dieser Art halten aber trotzdem ein wenig Regenwasser stand.

Größere Rucksäcke

Bei langen Alpinklettersteigen oder auch Klettersteigen mit langem Hinweg oder Rückweg solltest du aber dann auf jeden Fall zu einem größeren Rucksack (Volumen 30 Liter) greifen, der auch nötigen Stauraum für Flüssigkeiten und Proviant und Notfallausrüstung mitbringt. Diese Klettersteige fallen dann meistens auch nicht so schwer aus, und die Schwierigkeiten gehen selten bis C.

Ausnahmen bestätigen natürlich auch hier die Regel. Typischer Kandidat für so einen langen Alpinklettersteig ist die Alpspitzferrata oder auch der Zugspitze Klettersteig. Beachte aber, dass Wanderrucksäcke oft ein aufwändiges Belüftungssystem aufweisen, und dass durch den Abstand des Rucksackes zum Rücken der Schwerpunkt weit nach hinten gebracht wird, was sich meist ungünstig in steilen Passagen oder Überhängen auswirkt.

Sonstiges Zubehör zur Klettersteigausrüstung

Socken

Auch spezielle Falke TK Trekkingsocken* halte ich für eine sinnvolle Anschaffung zusätzlich zur Klettersteigausrüstung. Ich habe das erst auch nicht geglaubt, wurde aber eines Besseren belehrt als ich nach der alten Bundeswehr-Regel mit zwei Socken übereinander losgezogen bin. Leider hat das nichts genutzt. Die erste Lage Socken ist vom Fußschweiß am Fuß kleben geblieben, und die zweite Lage hat die erste Lage dann so richtig schön wie Schmirgelpapier auf dem Fuß bewegt. Das Ergebnis waren wunde Füße. Dann habe ich mir Trekkingsocken gekauft und seitdem habe ich null Probleme mit Blasen oder sonstigen Abschürfungen an der Ferse, selbst nach einem anstrengenden Klettersteig-Tag.

Höhenmesser

Klettersteigausrüstung: Höhenmesser

Mein Höhenmesser in Aktion (Modell leider nicht mehr erhältlich)

Ich habe bei meinen Klettersteigtouren zusätzlich zur Klettersteigausrüstung auch immer einen barometrischen Höhenmesser* dabei. Es gibt verschiedene Ausführungen von Höhenmessern, man kann ihn entweder als Uhr am Handgelenk tragen oder z.B. an den Rucksack binden. Bei einem guten GPS-Gerät ist ein solcher auch meist eingebaut. Die Höhenmessung kann dabei entweder über eine Druckmembran (barometrischer Höhenmesser) oder über GPS Daten vom Satellit erfolgen.

Wenn er nach dem barometrischen Prinzip funktioniert, brauchst du dir keine Sorgen um schlechten Empfang zu machen, der nahe an einer Bergwand mitunter auftreten kann. Wichtig ist hier vor allem der Deltawert an zurückgelegten Höhenmetern. Man schaut vorher in der Topo des Klettersteiges nach, wieviele Höhenmeter der Klettersteig seiner Wahl besitzt, nullt dann unten am Einstieg den Höhenmesser und hat zu jedem Zeitpunkt Kontrolle darüber, wieviel man denn schon geschafft hat und wieviel Höhenmeter noch vor einem liegen.

Vor allem bei langen Alpinklettersteigen kann das sehr gut für die Psyche sein und für Aufmunterung sorgen, wenn man schon leicht erschöpft ist. Meist bieten Höhenmesser auch eine Speicherung von Wegpunkten mit Uhrzeit und derzeitiger Höhe, so sieht man genau wie lange man für den Klettersteig gebraucht hat. Mit echten GPS Geräten ist mittels Trackaufzeichnung sogar die Ausgabe eines Höhenprofils möglich (wenn man durchgehend Empfang hat).

Trinkgürtel und Bottle Holder

Auf dem Klettersteig ist es wichtig, genügend zu trinken. Sicher, man könnte sich eine Wasserflasche in den Rucksack stecken, doch greift man leider zu selten zur Flasche, da einem die Routenführung am Klettersteig meist keine Möglichkeit dazu gibt. Vor allem auf mittelschweren Sportklettersteigen gibt es selten geeignete Plätze, wo man auch mal sicher seinen Rucksack abschnallen kann, um etwas zu trinken. Nicht selten bin ich schon mal vom Einstieg bis zum Ausstieg durchgeklettert, ohne nur einen Schluck Flüssigkeit zu mir zu nehmen.

An heißen Tagen ist das sehr gefährlich, einmal erlitt ich sogar oben am Ausstieg einen Schwächeanfall, bei dem mir schwarz vor Augen wurde. Ich musste mich auf den Boden legen. Auf dem Klettersteig hätte ich Pech gehabt, hätte mich aber mit meiner Bandschlinge mit Rastkarabiner, die ich immer dabei habe, sichern können, bis es mir wieder besser geht.

Als Lösung bietet der Markt Trinkflaschenhalter samt Trinkflasche, den man am Gurt anbringen kann, an. Dies ist auch unter dem Begriff Bottle Holder* bekannt. Ebenso gibt es unter dem Begriff Trinkgürtel* Gürtelsysteme für ein oder mehrere Flaschen. So kann man jederzeit etwas trinken, ohne den Rucksack abnehmen zu müssen. So ein Trinkflaschenhalter gehört daher schon seit langem auf meine Wunschliste als Ergänzung zur Klettersteigausrüstung.

Damit wäre meine Beitragserie zum Thema Klettersteigausrüstung abgeschlossen. Ich hoffe, du weißt jetzt Bescheid, welche Klettersteigausrüstung unbedingt erforderlich ist, und wie man diese mit nützlichem Zubehör ergänzen kann. Wenn ja, kannst du direkt ins nächste Kapitel des Basiswissens starten. Hier geht es um die lebenswichtige Klettersteigbremse.

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