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Klettersteigkarabiner Handhabung

In diesem Artikel machen wir uns mit dem richtigen Handling der Klettersteigkarabiner des Klettersteigsets vertraut. Nur wenn du das Karabinerhandling aus dem Eff-Eff beherrschst wirst du auch schwierigere Klettersteige genießen können, weil das Umhängen zur Routine wird und du dafür keinen Gedanken mehr verschwenden musst. Du kannst also die Landschaft und die dich umgebende Bergwelt voll genießen. Also los geht’s 🙂

Die Grundregel auf Klettersteigen besagt

Während man sich zwischen zwei Verankerungspunkten bewegt, also klettert, müssen immer beide Klettersteigkarabiner ins Stahlseil eingehängt werden, und ist die Stelle noch so leicht.

Wie führe ich die Klettersteigkarabiner während des Kletterns mit mir mit?

Hier gibt es drei Möglichkeiten

  1. Beide Klettersteigkarabiner mit einer Hand mitschieben
  2. unter dem Gummistrang durchgreifen und Klettersteigkarabiner hinter den Greifpositionen mitrutschen lassen. (funktioniert nur mit Lastarmen aus Stretchmaterial)
  3. Klettersteigkarabiner nicht beachten und sich aufs Klettern konzentrieren

Die dritte Möglichkeit ist eigentlich gar kein Mitführen, da man die Karabiner sich selbst überlässt. An schwierigen Passagen benutze ich meistens die zweite Methode, um die Klettersteigkarabiner sofort griffbereit zu haben. Dies funktioniert nur mit flexiblem Gummizugarmen. An besonders steilen Stellen, wo man über das Seil steigt siehe Klettersteig Technik Bewegungsablauf, benutze ich die dritte Möglichkeit, da man sich hier optimal auf die Fußtechnik (Reibungsklettern) konzentrieren kann und dennoch mit beiden Händern sicher das Seil packen kann.

Wann soll ich mich umhängen?

Man sollte sich so früh wie möglich umhängen, weil man so die Sturzhöhe verringert. Eventuell ist aber ein Umhängen erst über der nächsten Verankerung möglich, da man vorher keine sichere Standmöglichkeit für die Füße findet. Das muss man auch immer bedenken.

Es gilt also der Grundsatz

so früh wie möglich, aber nur bei einem sicheren Stand oder Festhaltemöglichkeit!

Es bringt nichts, sich auf Biegen und Brechen sofort umzuhängen, sobald man den nächsthöheren Bohrhaken womöglich noch gestreckt oder gar mit einem Sprung mit der Hand erreichen kann, um sich umzuhängen. Hiermit bringt man sich nur noch in größere Gefahr. Wenn man beim Umhängen scheitert, weil man mit den Füßen im unpassenden Augenblick abrutscht, rauscht man ab und zwar bis zur nächsten Sicherung.

Du hast nun einen einigermaßen sicheren Standplatz zum Umhängen gefunden? Sehr gut. Jetzt gilt es die richtige Reihenfolge beim Umhängen der Klettersteigkarabiner zu beachten.

Wie gehe ich beim Umhängen der Klettersteigkarabiner vor?

Hauptregel:

Immer, wirklich immer nacheinander die Karabiner umhängen, nie beide gleichzeitig  da man so einen Augenblick lang ungesichert wäre – vielleicht genau im falschen Augenblick…

Die perfekte Umhängetechnik an einer Felsverankerung läuft in vier Schritten ab

  1. oberen Karabiner aushängen
  2. oberen Karabiner hinter der Verankerung wieder einhängen
  3. unteren Karabiner aushängen
  4. unteren Karabiner hinter der Verankerung und hinter dem ersten Karabiner wieder einhängen

Wenn man sich stur an diese Reihenfolge hält, würden sich die beiden Sicherungsstränge theoretisch niemals verdrehen. Unter „Laborbedingungen“ kann man sicherlich auch so vorgehen. Soweit die Theorie.

In der Praxis sieht das aber schon ganz anders aus. Auf dem Klettersteig in freier Natur herrschen eben keine „Laborbedingungen“ sondern die harte Realität. Das Adrenalin macht hier einem sehr oft einen Strich durch die Rechnung und man hängt einfach nur die Klettersteigkarabiner wie wild um, egal ob der untere oder der obere zuerst umgehängt wird. Dies ist auch absolut in Ordnung. Sichern an der nächsten Verankerung bei einer einigermaßen sicheren Festhaltemöglichkeit hat oberste Priorität und sollte so schnell als möglich geschehen. Damit minimiert man das Sturzrisiko (Abrauschen von mehreren Metern bis in die nächste untere Verankerung). Bleibt jetzt noch die Frage, was man unter einer „einigermaßen sicheren Festhaltemöglichkeit“ versteht.

Erst festhalten – dann umhängen

Mit Festhaltemöglichkeit meine ich nicht etwa, dass man wie an einem Reck an einem Eisenbügel hängt und womöglich noch einen Klimmzug machen muss, um die Klettersteigkarabiner umzuhängen. Das macht man ein bis zwei Mal dann ist die Kraft ganz schnell am Ende. Die Füße sollten also beim Umhängen den Großteil des Körpergewichts tragen. Dazu stützt man sich mit den Füßen am Fels ab oder nutzt, falls vorhanden, Tritthilfen wie Eisenbügel oder Stifte.

Zusätzlich greift man mit einer Hand in das Seil um nicht nach hinten wegzukippen. Manchmal ist der Fels aber abweisend und drängt einen nach außen ab. Hier gilt es cool zu bleiben, mit einer Hand um den Bohrhaken zu greifen, sich mit gestreckten Arm nach hinten lehnen und mit der anderen Hand die Klettersteigkarabiner nach obiger Methode umzusetzen. Es gibt Stellen, da hängt man wirklich „saublöd drin“. Ist aber ganz normal an solchen Stellen. Näheres zur kraftsparenden Technik mit gestreckten Armen findest du im Ratgeber Artikel Klettersteig Technik.

Quergang Brett Zugspitze

Das „Brett“ – Der berühmte Quergang am Zugspitze Klettersteig

Bevor du dich an deinen ersten Klettersteig live ranwagst, empfehle ich dir den Umgang mit den Klettersteigkarabinern zu üben und zu verinnerlichen. Näheres findest du unter meinem Ratgeberartikel Klettersteig Training.

Ebenso sollte die Handhabung der so wichtigen Bandschlinge mit Rastkarabiner trainiert und die Eigenheiten der Bandschlinge verstanden werden. Doch was ist hiermit überhaupt gemeint? Im nächsten sehr wichtigen Ratgeberartikel Bandschlinge Klettersteig findest du die Antwort.


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