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Tegelbergsteig

Ort: Schwangau im Allgäu | Klassifikation: Alpinklettersteig | Zielgruppe: Fortgeschrittene | Ausgangspunkt: Talstation Tegelbergbahn | Höhenunterschied: Zustieg 400 HM, Klettersteig 270 HM | Schwierigkeit: C, subjektiv eher C/D.

Hier findest du die Topo zum Download von bergsteigen.com: Topo Tegelbergsteig

Charakter

Eins vorweg. Der Tegelbergsteig ist nichts für Anfänger! Er besitzt sehr viele stark ausgesetzte Passagen, bei denen Schwindelfreiheit und sicheres Steigen absolut Voraussetzung ist. Der Klettersteig besitzt die Bewertung C, wonach meiner Meinung nach einige Passagen aber eher mit C/D aufgewertet werden sollten. Die Bergrettung am Tegelberg ist wegen diesem Klettersteig fast jedes Wochenende anwesend. Nach der 30 m Einstiegsleiter befindet sich direkt ein sehr ausgesetzer Quergang als erste Schlüsselstelle, die Anfänger oft eines Besseren belehrt und sie wieder die Leiter hinabsteigen lässt. Der Klettersteig führt mal senkrecht, mal in Quergängen an der Flanke des Gelbwandschrofen empor. Am Ende wartet ein schmales Felstor durch das der Klettersteig führt. Er befindet sich nahe des Schlosses Neuschwanstein am Tegelberg im schönen Allgäu.

Zur ausführlichen Beschreibung

 

Tegelbergsteig Beschreibung

Bemerkung

Nicht selten gibt es bei der berühmt berüchtigten Einstiegsleiter zum Tegelbergsteig einen Stau, weil manche sich mit ihren Fähigkeiten überschätzt haben und die Leiter wieder hinabsteigen. Diese Leute sollte man unbedingt wieder hinuntergehen lassen, denn am Klettersteig selber würden diese nur noch mehr „Probleme“ machen wenn sie nicht weiterkommen. Der Tegelbergsteig ist über die Wintermonate und im Frühjahr von Oktober bis 4. Mai gesperrt. Es gibt keinen Notausstieg. Für Notfälle sind am Klettersteig sogenannte Positionsnummern angebracht, die man der Bergrettung dann nennen sollte. Der Tegelbergsteig verläuft größtenteils auf der Nordseite im Schatten. Heiße Sommertage sind also kein Problem.

Zustieg Tegelbergsteig

Der Zustieg zum Einstieg vom Tegelberg Klettersteig ist nicht zu unterschätzen. Man benötigt über den Klettersteiglehrpfad „Gelbe Wand“ ca. eineinhalb Stunden vom Parkplatz im Tal aus. Es empfiehlt sich daher, früh los zu fahren. Auf Forstwegen folgt man der Beschilderung etwa eine Stunde zum „Gelbe Wand“ Lehrpfad (A – A/B), wo die Seilsicherungen beginnen. Achtung, teilweise ist der Pfad recht schmal, abschüssig und keine Seilsicherung vorhanden. Man folgt dem Lehrpfad dann etwa 30 Minuten mit schönen Ausblicken ins Tal und auf die Seen nach oben zum Tegelberg, bis man an einer riesigen Leiter steht. Die Leiter ist der Einstiegspunkt zum Tegelbergsteig.

Einstieg über die 30 m Leiter und erste Schlüsselstelle

Vielleicht wirst du an dieser Leiter (B), den ein oder anderen Besucher bereits mit weichen Knien vom Tegelberg Klettersteig hinabsteigen sehen. Nicht ohne Grund, denn die Schlüsselstelle, obwohl nur (B/C) unmittelbar nach der Leiter ist schon nicht ohne. Mir ging selber etwas „die Düse“ bei diesem 15 m Quergang in schwindelerregender Höhe. Kurz vor Ende der Leiter beginnen rechts der Leiter bereits die Trittstufen, dann geht es in die Schlüsselstelle vom Tegelberg Klettersteig, die zunächst ganz harmlos mit einer kurzen schrägen Rampe beginnt. Danach gehts richtig ab, Tiefblicke garantiert! Am heftigsten ist die Stelle mit der Dreierserie an Trittbügeln. Hier muss man echt in den Abgrund steigen und das muss man sich erstmal trauen. Tipp: Mit einer 60 cm Rastschlinge ist es einigermaßen erträglich. Achtung, manchmal sind die Trittbügel etwas versteckt unter dem Felsen und erst recht spät zu sehen.

Steiler Aufschwung bis zum ersten Band mit Bank

Nach diesem Nervenkitzel gehts am Tegelbergsteig gleich ebenso krass weiter (C). Erst gehts unangenehm abdrängend (mit versteckten Trittstiften) in einen kleinen Quergang. Nur, dass man nun nicht mehr die Rastschlinge benutzen darf wegen stark ansteigendem Seilverlauf. Wenn du nicht weißt warum, empfehle ich dir meinen Ratgeber Bandschlinge Klettersteig zu lesen. Fast schon auf einem kleinen Grat, geht es auf schmalen Trittbügeln dann senkrecht nach oben.

Kurzer Aufschwung und Plattenquergang mit Steilpassage bis zum Gehgelände

Der anschließende kurze Aufschwung (B/C) zum Plattenquergang nach der Bank ist nicht schwer, da er erstens Trittbügel besitzt und zweitens nicht sehr ausgesetzt ist. Der Plattenquergang (C) schlängelt sich auf halber Höhe sanft ansteigend an der Felswand entlang und besitzt einige Trittbügel. Manche Stellen sind aber auch nur durch Felsreibung zu meistern. Mit ordentlichen Klettersteigschuhen mit rutschfester Sohle z.B. die Salewa Ws Mtn Trainer Mid GTXzum Test für Damen und für Männer die Salewa Ms Mtn Trainer Mid GTXzum Test ist dieser Quergang am Tegelbergsteig aber kein Problem. Ein Einsatz der Bandschlinge (hoffentlich besitzt du eine) ist meines Erachtens aber nicht notwendig, da man so nur den nachfolgenden Verkehr aufhalten würde.

Mittelsteil hinauf bis zur Verschneidung

Auch dieser Abschnitt vom Tegelbergsteig ist relativ einfach, da er viele Trittbügel besitzt. Außerdem hat man ja inzwischen Übung mit solchen Passagen. Die Felsen lassen sich hier für die Stemmtechnik auch gut benutzen. Anfangs noch B/C, schwächt sich der Schwierigkeitsgrad bis zur Positionsnummer 23 auf B allmählich ab.

Erdige Verschneidung steil hinauf bis zum zweiten Quergang

Bei der Verschneidung stellt die Hauptschwierigkeit der rutschige Fels dar. Nicht selten sind die Steine feucht oder auch mit Erde beschmiert, da die Verschneidung über erdige Abschnitte vom Tegelbergsteig verläuft. Umso wichtiger sind hier deswegen Handschuhe mit sehr gutem Grip am Seil, mit denen man die fehlende Reibung an den Füßen etwas ausgleichen kann. Mein Geheimtipp: Diese Connex Handschuhezum Test. Mit der Stemmtechnik geht’s ganz gut, zum Hochstemmen sind genügend Felsen vorhanden.

Kleiner Überhang und zweiter abdrängender Quergang bis zur Überdachung

Der kleine Überhang (C) an Pos. Nr. 24 vom Tegelbergsteig kann mit Rastschlinge sehr bequem gemeistert werden – ohne wirds mühsam, da man beim Umklinken ordentlich Armkraft braucht um sich mit einer Hand festzuhalten und mit der anderen Hand die Karabiner umklinkt. Mit Bandschlinge kann man den Rastkarabiner umklinken und sich dann gemütlich in den Gurt setzen während man die Klettersteigkarabiner umklinkt. Hierbei darf aber beim Umklinken des Rastkarabiners nix passieren, da die anderen Karabiner ja noch im unteren Seilabschnitt hängen. Deswegen ist es besser, erst die Klettersteigkarabiner und dann den Rastkarabiner umzuklinken.

Persönlich klinke ich auch fast immer zuerst beide Karabiner des Klettersteigsets um, um schon mal gesichert zu sein und dann mit letzter Kraft noch den Rastkarabiner. Danach bin ich an einer solchen Stelle meistens mit den Kräften am Ende, so dass ich mich in den Gurt setze zum Ausruhen. Außerdem bin ich dann schon in perfekter Fotoposition. Ein Foto geht immer. Dann kommen auch die Kräfte zurück und es kann weitergehen. Ohne Rastschlinge kann so ein Überhang zur gefährlichen Angelegenheit werden.

Danach beginnt ein zweiter Quergang vom Tegelbergsteig, der wieder sehr abdrängend ist. Fast immer hängt man in einer unstabilen Lage hinten über. Tipp: Nicht mit gebeugten Armen versuchen sich krampfhaft festzuhalten. Die Unterarme ermüden schnell und dann geht nichts mehr. Lieber mit gestreckten Armen am Seil festhalten, etwas in die Hocke gehen und am Felsen entlang hangeln. Weitere Informationen zu dieser Klettersteigtechnik findest du in meinem gleichnamigen Ratgeber.

Bald erreicht man eine kleine Rampe (B/C) die von einem Felsvorsprung überdacht ist. Hier hängt auch ein kleines Glöckchen von der Decke herab. In dieser Passage vom Tegelbergsteig ist es meistens naß, weil die Sonne an diese Stelle nicht hinkommt um den Felsen zu trocknen. Daher ist die Reibung auch nicht besonders gut, mit guten Klettersteigschuhen geht es aber. Turnschuhe haben hier keine Chance!

Dritter noch mehr abdrängender Quergang und Steilaufschwung

Dieser Quergang ist zwar dichter überm Boden, aber dafür noch mehr abdrängend als der letzte. Der Weiterweg ist zudem nicht komplett einsehbar, da es immer wieder um kleine Felsnasen herumgeht. Außerdem ist der Fels schon speckig von den vielen Begehungen vom Tegelbergsteig. Hier helfen mal wieder gute Schuhe. Nach der Querung erreicht man zwei Holzleitern, die im Winkel zueinander angeordnet sind. Sie läuten die letzte Etappe ein.

Der anschließende Steilaufschwung (C), teilweise überhängend hat es in sich. Tipp: Kleine Schritte machen, die Füße benutzen und sich Meter um Meter am Seil nach oben ziehen. Trittbügel sind hier zum Glück vorhanden, jedoch ein wenig weit auseinander. Hier sind dann gute ordentliche Klettersteigschuhe und auch gute Handschuhe, die auch auf Reibung gut funktionieren, von Vorteil. Der einleitende Quergang zum Felstor ist unangenehm abdrängend aber zum Glück nur sehr kurz.

Fulminantes Finale am Felstor und Querung zum „Gelbe Wand“ Lehrpfad

Jetzt kommt ein besonderes Schmankerl vom Tegelbergsteig. Das spacige Felstor, durch das der Klettersteig mit mehreren Trittbügeln führt. Der Abschnitt ist im B/C Schwierigkeitsgrad und bietet ein paar sehr schöne Fotopositionen an. Bitte vorher immer zuerst mit der Bandschlinge (=Fotografierkarabiner) am Bohrhaken sichern bevor man die Kamera zückt. Anschließend geht es noch eine kleine Leiter hoch. Dann erblickt man nach langer Zeit, sofern sie scheint, auch wieder die Sonne. Die Querung zum „Gelbe Wand“ Lehrpfad vom Tegelberg efolgt auf einer steilen Rampe, bei der es ziemlich steil abwärts geht. Sichern nicht vergessen!

Abstieg vom Tegelbergsteig und Seilbrücke

Der Abstieg erfolgt größtenteils recht steil auf dem „Gelbe Wand“ Klettersteig Lehrpfad, daher bitte oben am Gipfel vom Tegelberg das Klettersteigset nicht ablegen, man braucht es an einigen Stellen noch. Wer sich unsicher ist, klinkt sich am Klettersteig Lehrpfad besser ein. Der Lehrpfad windet sich in unzähligen Kehren den Berg hinunter, während man links und rechts die schöne Bergwelt mit den bizarren Felsformationen genießen kann.

Kurz vor der Einstiegsleiter vom Tegelbergsteig kommt man zu einer langen Vierseilbrücke (ja auch das gibt’s) Das oberste Seil ist ausschließlich zum Sichern da. Ansonsten gelten beim Begehen die gleichen Regeln wie für Dreiseilbrücken. Informationen gibt’s im Ratgeber Seilbrücken und Leitern. Kurz darauf erreicht man die Einstiegsleiter vom Tegelbergsteig. Kurz vor dem Tegelberg Parkplatz kommt man an einer Kneipp-Wassertrete-Anlage vorbei und kann seine geschundenen Füße abkühlen und erholen. Ahhh, das tut gut. 🙂


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